Eindrücke von unserer Begegnung mit dem
Zentrum für children at risk
Oktober 2025
Neben einem intensiven Programm in Kairo, u.a. mit dem Besuch einer Einrichtung
für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen von der Organisation
L`Arche, einem Besuch bei der Association for Protection of the Enviroment, APE, dem
Zentrum in der sog. Müllstadt von Moqqatam, Einladungen bei ägyptischen
Freunden, dem Zeitfenster im Neuen Ägyptischen Museum sowie eines Einblicks
in die Arbeit einer ägyptischen Scoutgruppe mit sudanesischen Flüchtlingen
stand ein dreitägiger Aufenthalt in Alexandria im Zentrum der Reise.
Die Reisegruppe, alles Mitglieder unseres kleinen ehrenamtlichen Vereins
Arbeitskreis Ägypten, AKÄ e.V., waren bisher zu unterschiedlichen Zeiten in
Kontakt mit der Straßenkinderarbeit gekommen – z.T. ganz zu Beginn, als die
Einrichtung in vier Räumen eines Altersheimes im Jahr 2000 startete, z.T.
während der 2000er Jahre, als eine einfache Wohnung mehr als 30 Kindern
gleichzeitig als Tageszentrum diente, nach der Eröffnung des Zentrums im Jahr
2012 und aktuell im Jahr 2024 bei der letzten Partnerschaftsfahrt.
Die Tage in Alexandria starteten mit einer Zeit im römischen Theater, einem
ausführlichen Rundgang in der neuen Bibliothek in Alexandria und einem
gemeinsamen Essen mit dem Team des Zentrums in einer neu angelegten
„Ausgehmeile“ auf einer kleinen Halbinsel im Osten von Alexandria. Erstaunt
registrierten wir die Vielzahl an Cafés & Restaurants, die sich wie eine
Perlenkette die ganze Küste entlang der Corniche bis weit in den Osten von
Alexandria ziehen – und dies angesichts von kaum sichtbaren Touristengruppen
vor Ort.
Gespräche zur Einschätzung von internationalen Experten, Alexandria habe
durch einen steigenden Meeresspiegel in den Jahrzehnten ab 2030 enorme
Probleme, wurden relativiert durch Einschätzungen von Verantwortlichen vor
Ort: Das Problem sei vor allem die veränderte Großwetterlage mit zunehmenden
Stürmen und Sturmfluten im Mittelmeer, so dass die Küste wesentlich
aufwändiger geschützt werden muss.
Der zweite Tag war geprägt durch die Vielzahl von Workshops, die einige
Mitglieder der Gruppe vorbereitet hatten: Basteln von kleinen Tischraketen,
Batiken von T-Shirts, Bemalen von Turnbeuteln und Stiftemäppchen –
zwischendrin aufgelockert durch Seilchenspringen, Hüpfekästchenspiele und
einem Rundtanz zu „brother Yakup“. Auch die Teamer*innen fanden Gelegenheit,
sich an einer Aktivität zu beteiligen – die beigefügten Fotos zeigen einen kleinen
Eindruck. Mit einem gemeinsamen Mittagessen, phantastisch vorbereitet vom Küchenteam
und einer (dort erfahrenen) deutschen Küchenhilfskraft, endete dieser Tag
im Zentrum.
Noch zu erwähnen sei der Besuch im Konvent der Schwestern der
Borromäerinnen von der Deutschen Schule DSB in Alexandria am Nachmittag –
dort wurden wir von Sr. Antonia und Sr. Andrea empfangen, die im Juni eine
Austauschfahrt der Sozialgruppe mit dem Kairokreis in Nettetal erleben
konnten – sowie von Sr. Helena, die sich um unser leibliches Wohl kümmerte.
Neu und überraschend für uns: Der seit Sommer 2024 an der Schule tätige
Schulleiter, Herr Wiegand, gesellte sich für eine Zeit zu uns und es kam zu
einem kleinen Austausch zur Begegnung, zu den Sozialgruppen an der DSB und
am Werner-Jaeger-Gymnasium in Nettetal und vor allem zu einem ersten
persönlichen Kennenlernen, ermutigend auch für weitere Planungen von möglichen
Kooperationen.
Am dritten Tag stand der gemeinsame Ausflug nach Kairo an – mit dem gesamten
Team der Sozialarbeitenden, den Psycholog*innen, der Leitung und den 28
Kindern in einem Bus. Allerdings machte uns der Fahrer des angemieteten Busses
erst einmal einen Strich durch die Rechnung: Statt wie geplant um 7.00 Uhr
morgens ging es erst um 9.30 Uhr los. Grund dafür: Der Fahrer hatte sich
darauf verlassen, morgens früh seinen Bus vollzutanken – auf Grund einer
bereits tags zuvor angekündigten Preiserhörung der Kraftstoffe waren jedoch
schon in der Nacht alle Tankstellen (sie sind zu fast 100 % in staatlichem bzw.
militärischem Besitz) in Alexandria geschlossen – die meisten Autofahrer hatten
noch kurz vor Mitternacht im Voraus alle verfügbare Tanks vollgetankt und
damit die Lager geleert.
Dank des Einsatzes von Sadek, dem Leiter des Zentrums, gelang es, einen -
vollgetankten! – Bus eines anderen Unternehmens zu buchen und mit Verspätung
ging es auf die Fahrt nach Kairo. An der Zitadelle von Moqqatam warteten auf uns eine 8-köpfige Gruppe der Scouts von St. Cyrill, der Kirchengemeinde von Nour, Farah und Afaf Khouzam,
die eine Art „Rallye“ für die Jungen vom Zentrum an dem geschichtsträchtigen
Ort vorbereitet hatten. Unsere Gruppe konnte unterdessen die grüne Moschee
sowie die Mohamed Ali Moschee besuchen, gemeinsam mit Christen und Muslimen
des Teams vom Zentrum – so kam es zu interessanten interreligiösen
Gesprächen. Die anschließende Tour in den nahegelegenen neuen Funpark „
dragon parc“ überließen wir, doch etwas „geschafft“ durch das straffe bisherige Programm,
dem Team mit den Jungen vom Zentrum und begaben uns auf den Weg in unsere
Gästeunterkunft in Kairo. Wie wir anschließend durch die Scouts erfuhren, hatte
die Gruppe, startend ab 16 Uhr im Funparc, so viel Spaß, dass sie bis 20.30 Uhr
alle Möglichkeiten dort auskosteten und nach einem Imbiss, von den Scouts
vorbereitet, sich am späten Abend auf die Rücktour nach Alexandria begaben.
Die Idee unserer Vorbereitung mit dem Team und Nour von den Scouts ging also
„voll auf“. Etliche aus der Scoutgruppe kamen zum ersten Mal mit dem
Projekt/dem Zentrum in Kontakt und haben ihr Interesse an weiteren
gemeinsamen Aktivitäten geäußert.
Geschenkte Zeit, geteilte Zeit, Miteinander – eine Bereicherung für alle
Beteiligten, auch für uns – so haben wir die Tage wahrnehmen können.
Einige Fotos geben einen kleinen Eindruck davon.
Für das Team des AKÄ e.V.: Beate Engelke
Bilder aus dem Zentrum für Kinder in Gefahr
in Alexandria
Zwei Ägypterbegegnungen in Deutschland
Juni 2025
Im Juni fanden zwei Begegnungen vom Arbeitskreis Ägypten zusammen mit dem Kairo-Kreis 2.0, Nettetal zur gleichen Zeit in Nettetal und Köln statt:
- Die Sozialgruppe der Deutschen Schule der Borromäerinnen, Alexandria und
- Ein Team der Sozialarbeit vom Zentrum für Children at Risk aus Alexandria.
Während die Schülerinnen neben einem abwechslungsreichen Programm nicht nur die Schulbank drückten, sondern auch den Kairokreis 2.0 bei schulinternen Aktivitäten unterstützen, lernten die Sozialarbeiter*innen Alltag in der sozialen Arbeit kennen, u.a. bei einem Tagesbesuch bei der sozialistischen Selbsthilfe Mülheim mit selbstorganisiertem Wohnprojekt, Kleider- und Möbel-SecondHand Verkauf und einem Cafè am Kölner Rheinufer. Eine kleine Wanderung im Ahrtal, verbunden mit dem Besuch in einem privaten Museum zur Flutkatastrophe 2021, verband die Erfahrung der bezaubernden Natur mit den Herausforderungen der Klimaentwicklung - ein großesThema auch in Alexandria durch den steigenden Meeresspiegel des Mittelmeeres und veränderten Wetterverhältnissen.
Gemeinsame Besuche beim Nettetaler Bürgermeister, ein mitgestalteter Gottesdienst mit Vorstellung der Sozialarbeit mit den Children at risk in Alexandria in einer Kölner ev. Kirchengemeinde, das Bestaunen des Kölner Doms von innen und eine herzliche und bunte Abschiedsfeier in der Nettetaler Arche verband die Gruppen mit den deutschen Gastgebenden zu einer intensiven Gemeinschaft.
Besonders erwähnen wollen wir die Gastfreundschaft, die die Schülerinnen der DSB Alexandria mit ihren beiden Leiterinnen, Schwestern des Borromäerinnenordens, im Gästehaus St. Michael in Steyl, Venlo, erfuhren - und das Team der Caritas bei Unterstützer*innen in Nettetal - vielen Dank auch auf diesem Wege!
25 Jahre Arbeitskreis Ägypten -
Aktivitäten 1999-2024
Der Arbeitskreis Ägypten wurde im September 2024 25 Jahre alt. Grund genug für eine kleine Übersicht der verschiedenen Aktivitäten in dieser Zeit:
1999
Alexandria
Erster Kontakt mit der geplanten Arbeit für Children at Risk, damals untergebracht in einem Seitenflügel eines Altersheimes für italienische Witwen
2000
Kairo, Alexandria
Fahrt mit Treffen auch in Kairo; in Alexandria erste Begegnung mit der Arbeit des Zentrums im Altersheim
2001
Sommer in Idar-Oberstein
Besuch zweier ägyptischer Familien in Idar-Oberstein, Berlin, Paris
2001
Kairo und Alexandria
Fahrt mit verschiedenen Treffen, Besuch des Zentrums im Altersheim
2004
Kairo und Alexandria
Fahrt mit Treffen in Kairo und Workshop in der Einrichtung in Alexandria
2005
Alexandria
Tagesfahrt nach Alexandria, Die Einrichtung Children at Risk im 7. Stock eines Geschäfts- und Wohnhauses besucht
2005
Sommer in Deutschland
Besuch einer ägyptischen Familie in Nettetal, Oberhausen, Berlin
2006
Kairo, Alexandria
Begegnungsfahrt, Workshop im Zentrum für Kinder in Gefahr
2007
Köln
Teilnahme am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln mit Stand zum Projekt
2009
Kairo, Alexandria
Fahrt mit Treffen in Kairo und Alexandria, das Zentrum ist immer noch in einer Übergangswohnung
2010
Teilnahme am ökumenischen Kirchentag in München mit einem eigenen Stand
2012
Kairo, Alexandria
Januar: Delegationsfahrt des Internationalen Versöhnungsbundes mit Begegnungen in Alexandria und Kairo
2012
Kairo, Alexandria
Oktober: Besuch der Einrichtung in Alexandria
2014
Fahrt nach Bodstedt mit ägyptischen Gästen
2016
Speakers Tour mit dem Leiter der Einrichtung Children at Risk und einer Mitarbeiterin an verschiedenen Orten von Unterstützerinnen und Unterstützern in Deutschland
2017 – 2019
Aufenthalt von Ehepaar Engelke in Kairo mit zahlreichen Besuchen aus Deuschland; während dieser Zeit monatliche Besuche im Zentrum in Alexandria
2019
Nettetal, Oberhausen, Kön
Im Sommer Besuch zweier ägyptischer Familien
2024
Januar-Begegnungsfahrt nach Kairo und Alexandria, mit Workshop im Zentrum
Rundbrief März 2024
Dieser Wunsch ließ mein ökologisches Gewissen erstmal schlucken, dann in den Kontext meiner Flugmeilen nach Ägypten setzen und letztlich voll und ganz unterstützen:
Der Wunsch des Teams aus Alexandria, beim gemeinsamen Ausflug mit den Kindern aus dem Zentrum, der deutschen Gruppe und den Scouts aus Kairo etwas zu erleben, das Alexandria nicht zu bieten hat.
Die Pyramiden bei Kairo? Ja, auch – so startete unsere gemeinsame Fahrt in einem großen Bus mit allen 37 Jungen des Zentrums, 16 Mitarbeitenden des Zentrums, fast das gesamte Team und uns 11 Deutschen von der Begegnungsreise im Januar 2024 am frühen Morgen des 5. Januars in Alex.
Für uns Deutsche war dies gleichzeitig die Rückfahrt am dritten Tag einer erfüllten Zeit in Alexandria, mit einem intensiven Workshop-Begegnungstag im Zentrum. Sowohl die Vertreterinnen des Kairokreises 2.0 in Nettetal als auch die Delegation der ev. Erlösergemeinde in Köln hatten zauberhafte Workshops vorbereitet.
Dabei überraschten mal wieder die Jungen der Einrichtung mit ihren kreativen Gestaltungsideen beim Schatztruhen-Basteln, Origami, Wäscheklammerfahr-zeuge basteln – ganz zu schweigen vom Einsatz bei Bewegungsspielen rund ums große Schwingseil.
Ein Highlight war das Überreichen einer eigenen Playstation mit vielen Spielen, einer Spende einer Gummersbacher Familie – hier gab es viel Applaus durch die Kinder.
Genauso viel Applaus gab es auch für eine spontan eingeübte Clownerei mit Heba (Psychologin), Rana (Köchin) und Matthias – ein echtes Clowntrio!
Ein Begrüßungsfrühstück und das gemeinsame Nachmittagsessen mit den Kindern umrahmten den Projekttag im Zentrum – Hany Maurice, der Leiter der Caritas in Alexandria und über 10 Jahre lang selber Leiter dieses Zentrums gab einen Überblick über die weitgefächerte Arbeit der Caritas in der Stadt.
Anders als in Deutschland lebt die Caritas als Nichtregierungsorganisation (NGO) ausschließlich von Spendengeldern. Das offene, gut strukturierte und zugewandte Miteinander zwischen den Jungen und den Teammitgliedern, auch die Fröhlichkeit im Team untereinander und die herzliche Aufnahme von uns als Gästen beeindruckt.
So blieb es nicht beim Aktionstag in der Einrichtung, sondern tags drauf folgte der gemeinsame Ausflug zu den Pyramiden. Die Scoutgruppe aus Kairo, unter Leitung von Nour Khouzam, führte die Kinder rund um die drei großen Pyramiden und zur Sphinx, die deutsche Gruppe trennte sich für eine kleine Zeit unter der Leitung von Matthias Engelke – um dann im großen Bus für die Weiterfahrt zusammenzukommen.
Ein kleiner Schnappschuss zeigt den Erfindungsreichtum der Kamelführer, um Touristen aus aller Welt zu einem Kamelritt zu ermuntern – im Januar sozusagen noch brauchtumsgemäß…
Und was ist mit dem Wunsch?
Ja, das Team hatte sich einen Besuch in Snow-City gewünscht, einer Schneelandschaft mit Reifen-Ball- und sonstigen Rutschen in einer Mall am Rande von Kairo, 6th of Octobre – nicht weit weg von den Pyramiden in der Wüste.
Ein unglaublicher Spaß für alle Kids und das Team, selber taugte ich nur als Fotografin dieses einmaligen Vergnügens. In ausgeliehenen Winterschuhen, Schneehosen und Jacken und mit Helm (für alle unter 10 Jahren Pflicht) eroberte die Gruppe mit über 60 Leuten die Schneewelt, nach einer mit Geduld getragenen Wartezeit fürs Ausleihen, Einkleiden …
Überraschend und berührend für uns alle: Die Betreiber der Einrichtung verzichteten kurzfristig für alle auf das – nicht preiswerte – Eintrittsgeld, umgerechnet auf eine Summe über 1.200 Euro, weil sie von der Idee des Zentrums und des gemeinsamen Ausfluges sehr angetan waren.
Eine Familienstiftung aus Köln, von der drei Mitglieder an der Begegnungsreise im Januar teilnahmen, hatte einen großen Betrag zur Verfügung gestellt – ausdrücklich für Ausflüge vor Ort, für gemeinsame Aktivitäten mit und für die Kinder und besonders auch für das Team rund um die Einrichtung. Nicht zuletzt durch den Verzicht auf das Eintrittsgeld konnte dann zusätzlich noch eine Arbeit mit sudanesischen Flüchtlingskindern von der Scoutgruppe von Farah Khouzam in Kairo unterstützt werden.
Der Alltag im Zentrum
Geprägt wird die Arbeit nach wie vor durch eine außergewöhnliche Stabilität im Team der Mitarbeitenden, zum großen Teil sind viele schon über zehn, manche auch schon mehr als zwanzig Jahre dabei, trotz nicht besonders attraktiver Löhne und trotz der schwierigen Lebensumstände für alle durch die steigende Inflation.
Zu erwähnen sind die inzwischen gut etablierten und viel in Anspruch genommenen offenen psychologischen Sprechstunden unter der Leitung von Heba (sie gehörte zum Team der Begegnung in Deutschland im September) und zwei weiteren Psychologen dort. Das Stadtviertel El Hadra profitiert von diesem einzigen Angebot dieser Art, auch für die umliegenden staatlichen Schulen.
Aktuell wird dieses Team und das Zentrum ehrenamtlich unterstützt von einem Psychiater, dessen Tochter durch die Sozialgruppe der Deutschen Schule in Alexandria (DSB) Kontakt zum Zentrum gefunden hat.
Diese Sozialgruppe aus der Schule der Borromäerinnen unter Leitung von Schwester Andrea und Antonia führt regelmäßig Aktivitäten für und mit den Jungend und dem Team durch, z.B. einen Nikolausbesuch, bald zum Start und während des Ramadan wieder gemeinsame Abende mit Fastenbrechen und Feiern in der Schule und im Zentrum u.a. mehr.
Durch den Besuch etlicher Schülerinnen dieser Sozialgruppe in Deutschland, auf Einladung des Kairokreises 2.0. unter der Leitung von Iris Glaser-Warmbier am Gymnasium in Nettetal konnte hier die Kooperation verstärkt werden; der Besuch der leitenden Lehrerin und zweier ehemaliger Schülerinnen dieses Kreises jetzt knüpfte daran an.
Zum Zentrum gehört auch der mobilen Bus, seit 2009 im Einsatz, eigens angefertigt nach Zeichnungen von Hany Maurice und seinem Team. Dieser Bus fährt viermal in der Woche abends und nachts Stellen an, an denen Kinder und Jugendliche auf der Straße leben, sich aufhalten, überleben.
So am Fußballstadion, manchmal an den warmen Abluftrohren von Behörden, Hotels, an der Bastei des ehemaligen Leuchtturms mit den touristischen Abendevents Hier parkt der Bus mit dem vierköpfigen Team aus SozialarbeiterInnen und einer Krankenschwester, je nach Lage werden Stühle herausgestellt und Aktivitäten angeboten, medizinische Grundversorgung in einem kleinen Erste-Hilfe-Raum, Einzel- oder Kleingruppengespräche in einem weiteren kleinen Raum.
Der tägliche Unterricht im Alphabetisierungskurs für die Jungen in der Notschlafstelle, die Begleitung der Kinder in allen sozialen, gesundheitlichen, psychologischen und rechtlichen Belangen, die Begleitung bei der Kontaktaufnahme zu den Familien, der normale Tagesablauf mit allen Regeln, die liebevoll kochenden Küchendamen, die vielen Aktivitäten wie Weben, Körbe flechten, Musizieren, das jährliche Sommercamp im Ferienhaus Abu Talaat, Theater spielen mit Theaterpädagogen, spielerisch die ägyptische Geschichte entwickeln (ein geplantes Projekt mit einem Geschichtspädagogen) und vieles mehr ...
All dies ermöglichen auch die Spenden von euch und von Ihnen.
HERZLICHEN DANK auch im Namen der Kinder und des Teams der Einrichtung dafür!
Beate Engelke, Vorsitzende
Unsere Homepage: https://www.arbeitskreis-aegypten.org/
Spendenkonto: Sparkasse Gummersbach, DE93 3845 0000 1000 5634
******************************************************************************************
P. S. : Wir können nicht absehen, wie sich die Kriegssituation im Nahen Osten für Ägypten auswirken und entwickeln wird, wohl aber, dass hier Ägypten durch intensive medizinische Hilfe im Nordsinai bereits beteiligt ist. Regelmäßig werden Kranke und Verletzte durch den Grenzübergang in Rafaa in Krankenhäuser auf die ägyptische Seite gebracht. Wie unsere Freunde und Partner in Ägypten hoffen auch wir auf Möglichkeiten der Verständigung, auf Auswege aus der Gewalt und auf Wege hin zu einer friedlichen Zukunft.
Ägypter-Begegnung 1.-10. September 2023
Liebe Mitwirkende an der ägyptisch-deutschen Begegnung im September,
es sind fast zwei Wochen her, dass wir den ägyptischen Freunden "Auf
Wiedersehen" sagen mussten - und schon fehlen sie uns! Es war eine
intensive, begegnungs- und erfahrungsreiche Zeit mit diesem offenen und
zugewandten Team aus der Arbeit mit children at risk in Alexandria - und
ihr und Sie habt und haben dazu beigetragen, dass in dieser Kooperation&
Partnerschaft Vertrauen und Freundschaft wachsen und sich vertiefen konnte.
Mit dem von ägyptischer Seite gewünschten Thema "Umgang mit Traumata
bzw. Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen durch sexualisierte
Gewalt" gab es von Anfang an die Erfahrung, dass übliche Tabus keine
Rolle spielten, sondern der Wunsch, zu lernen, eigene Erfahrungen aus
der Arbeit zu reflektieren, Gehörtes an die eigene Situation anzupassen
und in den Dienst einer noch professionelleren Umgangsweise mit
Betroffenen zu stellen. Besuche in Einrichtungen der Kölner Initiative
"Auf Achse", Gespräche und Vorträge mit Referentinnen der Fachstellen
"Selbstbewusst" (Salzburg) und "Zornröschen" (Mönchengladbach),
Einführungen in die Arbeit einer Anwältin im Bereich
Familienrecht/Verfahrensbeistand zogen sich thematisch durch die Woche -
gleichzeitig gab es Begegnungen mit Unterstützenden der Arbeit in
Alexandria, so mit dem Kairokreis am Werner-Jaeger-Gymnasium in Nettetal
bei einem wunderbaren Benefizkonzert, mit Empfang durch den Schulleiter
und Präsentation des Projektes in einer Klasse, bei der Farewell Party
in der Arche in Lobberich und durch Mitwirkung am Gottesdienst der ev.
Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck. Ein Besuch im Landtag in Düsseldorf
sowie ein Empfang beim Bürgermeister von Nettetal rundeten die
"offiziellen" Begegnungen ab - eingerahmt von Zeit in der Natur, beim
Spaziergang an den Krickenbecker Seen, Ausflug zum Drachenfels,
Waldspaziergang in Gummersbach und natürlich bei den City-Erkundungen
von Köln und dem gemeinsamen Essen mit Freunden und zukünftigen
Ägyptenreisenden, durch Gespräche, , durch Anpacken bei Vor- und
Nachbereitung von Treffen und Feiern, durch finanzielle Unterstützung,
durch ein offenes Ohr und Haus, durch Übersetzungen, durch Zeit und
Humor und durch vieles mehr.
Diese Begegnung haben unsere Freunde aus Alexandria als ein Geschenk
beschrieben, als eine neue Beziehung auch in ihrem Team untereinander
und haben uns ausdrücklich nochmal Grüße an alle aufgetragen!
Mit herzlichen Grüßen
Beate und Matthias Engelke
Köln, am 23. September 2023
Rundbrief Juli 2022
Zentrum Children at Risk/ Alexandria
„Ya salam“: Das Team des Zentrums in Alexandria begrüßt uns, meinen Mann und mich und es ist beeindruckend, in so viele bekannte Gesichter zu blicken – keine Selbstverständlichkeit in solch einer herausfordernden Arbeit.
Die Sozialarbeiter*innen Heba und Heba, Amre und Ahmed, die Krankenhelferin Nagla, Sadek, der verantwortliche Leiter, Hany Maurice, Leiter der Caritas Alexandria, Rascha und ihr unermüdliches Küchenteam ... – sie alle ermöglichen den Ausflug der insgesamt 27 Jungen nach Abu Talat und wir dürfen die Gruppe begleiten, letzte Woche am Donnerstag, den 14. Juli, dem letzten Tag der Festwoche zum Opferfest, dem großen Aid nicht nur für ägyptische Muslim*innen.
Solche Tagesausflüge erleben die Jungen seit Mai einmal monatlich. Das Camp in der Villa der Caritas 35km westlich von Alexandria an der Nordküste steht in diesem Jahr noch aus und wird im August stattfinden. Zum Glück gibt es einen Swimmingpool an der Villa, denn an diesem Abschnitt des Mittelmeeres (einem der wenigen frei zugänglichen) ist Baden lebensgefährlich.
Zum Tagesprogramm gehören an diesem Tag neben einem weiteren Wasservergnügen eine Kunstaktion mit Michel, einem ehrenamtlich tätigen Künstler, eine Einheit Ausdruckstanz mit Matthias, Fußballspielen, Farbbeutelwerfen und wie immer ein frisch zubereitetes Nachmittagsessen.
Der Tag gibt Möglichkeit auch zum Austausch mit Heba, mit Amre, mit Sadek und Hany – wir erfahren von der derzeitigen Situation im Zentrum. Angesichts massiv gestiegener Preise versucht das Team, neue Quellen für die Versorgung mit Lebensmitteln aufzutun. Am Tag unserer Abreise aus Alexandria, zwei Tage nach dem Ausflug, kann Heba z.B. eine größere Essenslieferung eines Restaurants in der Nähe des Innenstadtbahnhofs entgegennehmen, auch Spenden von Events und Supermärkten gibt es immer mal wieder.
Von den Jungen im Zentrum gehen zur Zeit 8 Kinder in Schulen in der Umgebung. Von Ende Mai bis Anfang September gibt es an den staatlichen Schulen Ferien.
Während der letzten beiden Schuljahre waren wegen der Pandemie die Schulen monatelang geschlossen, digitaler Unterricht fand ausschließlich an den privaten Schulen statt. D.h., dass für die allermeisten Schüler*innen in Ägypten eine erhebliche Bildungslücke entstanden. Der tägliche Unterricht im Zentrum hat in dieser Beziehung den children at risk dort einen Vorteil und Vorsprung ermöglicht.
Ein Junge begrüßte Matthias mit Namen (!), er kannte ihn noch vom letzten Besuch im Mai vor drei Jahren. Drei weitere Kinder leben ähnlich lange im Zentrum, viele seit 1-2 Jahren. Ein Kind kam jüngst vor zwei Monaten hinzu.
Neben der „Mundpropaganda“ und eigenständiger Ankunft bringt auch die Polizei bzw. Vertreter des Amtes für Jugend regelmäßig Kinder ins Zentrum. Sie werden dann von den Mitarbeitenden aufgenommen, wie alle anderen registriert und in die laufende Arbeit integriert.
Während wir auf den Bus für die Kinder im Zentrum warteten, erreichte Sadek ein Anruf vom Amt. Zwei ältere, 13 und 14-jährige Jungen, kamen vor 10 Tagen bei einer Einkaufstour mit dem Sozialarbeiter nicht zum vereinbarten Treffpunkt zurück. Dies passiert immer mal wieder – schließlich ist das Zentrum ein freiwilliges Angebot und die Kinder haben jederzeit die Möglichkeit, es zu verlassen.
Da diese beiden Jungen aber vor einigen Monaten über das Jugendamt bzw. die Polizei gebracht wurden, muss der Sozialarbeiter/Psychologe jetzt zum Gericht und sich den Fragen des Amtes stellen, die das Zentrum manchmal eher als eine Art geschlossene Einrichtung verstehen bzw. sich vorstellen und wünschen. Mohammed, den dieser Anruf betraf, begrüßte uns noch kurz, konnte aber darum nicht am Tagesausflug teilnehmen.
Einige Kinder gehen auf eigenem Wunsch auch zurück in ihre Familien, wobei dies durch das Team so gut wie möglich begleitet wird. Immer mal wieder nehmen auch Verwandte der Kinder diese bei sich auf.
Diese ständigen Veränderungen meistern die Sozialarbeiter*innen und das gesamte Team eindrucksvoll. Mit liebevoller Zuwendung und einer klaren sowie strengen Konsequenz gelingt es, immer wieder neu eine Gruppengemeinschaft zu bilden. Die Jungen vom Zentrum beeindrucken Menschen, auf die sie im Rahmen von Angeboten treffen – und auch uns!
Dies erzählte uns beispielsweise ein französischer Tanzlehrer. Im Rahmen eines Tanzfestivals in der Bibliothek von Alexandria leitete er vor zwei Wochen einen Workshop mit den Kindern und eine Aufführung gemeinsam mit Mädchen einer Ballettschule aus Alexandria.
Ein Video dazu konnten wir in Ausschnitten genießen, die Jungen in silbernen Kostümen, davor die kleinen Ballerinas gemeinsam auf der Bühne – wunder-bar!
Bei einem weiteren Besuch im Zentrum sahen wir die jüngste Erweiterung des Programmes des Zentrums: Laufende psychologische Beratungsarbeit und andere Aktivitäten für den Stadtteil. Dieses Konzept erweist sich als sehr sinnvoll und verankert die Arbeit des Zentrums vor Ort.
Ca. acht Frauen und Männer, z.T. mit ihren Kindern, warteten in einem Vorraum in der Nähe der Eingangstür, zwei kleine Räume dienen der Einzelberatung und in den Räumen in der oberen Etage wurden gleichzeitig Aktivitäten mit dem Künstler Michel und nebenan für Frauen aus der Umgebung angeboten.
Neben dem Camp wird mit unseren Spenden inzwischen diese erweiterte Arbeit gleichfalls unterstützt, die wöchentlich bis zu 70 Menschen erreicht .
Eine kleine, nicht unerhebliche „Randbemerkung“: NGOs wurden bereits seit einem Gesetz vor einigen Jahren zentral kontrolliert, gewählte Vorsitzende müssen z.B. durch das zuständige Bezirksamt/Gouvernorat bestätigt werden. Im Oktober letzten Jahres gab es ein neues Gesetz, eine Art des politischen „Resets“: ALLE NGO‘s, egal wie lange sie schon arbeiten, mussten sich neu registrieren lassen und darum neu ihre Zulassung beantragen. Die Caritas Egypt hat für diesen Prozess viele, viele Papiere und insgesamt neun Monate benötigt. Erst nach der (erneuten) Registrierung erhält eine NGO so u.a. Zugang zu Auslandsspenden, es hängen unzählige Arbeitsverträge daran usw. Dies kam zusätzlich zur Pandemie und zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine erschwerend hinzu.
Und eine zweite Anmerkung: Seit 2009 hat die Caritas Alexandria die Arbeit mit Mädchen, die nicht mehr zu Hause leben wollen/können, nach heftigen Protesten durch Abgeordnete der Muslimbrüder an eine islamische Organisation übertragen. Über viele Jahre hinweg wurden die dortigen Sozialarbeiterinnen von der Caritas geschult, es gab regelmäßige Besuche der Teams und Sadek kam wöchentlich und zu Anlässen wie Neuaufnahme von Mädchen vorbei.
Während und nach der Pandemie veränderte und verringerten sich die Kontakte, die Verantwortlichen gehen nicht mehr auf Kooperationsangebote ein, die Mädchen werden nicht in Schulen begleitet, es gab und gibt Zeiten ohne irgendeine Sozialarbeiterin vor Ort (!), die Aufgaben werden vernachlässigt und Hany und Sadek haben inzwischen nur noch „spontaniously“ Kontakt.
Schade, es bleibt zu hoffen, dass sich in den nächsten Jahren eine neue Tür für Mädchen in Gefahr in Alexandria öffnet.
Dass die Arbeit im Zentrum der Caritas für die Jungen, die children at risk, weiterlaufen konnte und kann, liegt finanziell zum größten Teil nach wie vor an der Caritas Salzburg/Wien, die die Caritas Alexandria mit laufenden Personalkosten von Anfang an unterstützt.
Es liegt auch an euch und Ihnen – durch Aktionen des „Kairokreises 2.0“ am WJG in Nettetal, durch Spenden und Kollekten aus Gemeinden, durch monatliche Dauerspender*innen, durch Geburtstags- und Freizeitspenden…
Im Oktober dieses Jahres ist ein Besuch der Sozialgruppe der Deutschen Schule der Borromäerinnen, Alexandria zusammen mit den Schwestern Antonia und Andrea beim „Kairokreis 2.0“ in Nettetal geplant und – inschahallah – ein Gegenbesuch im April 2024 – ein Vorhaben das vor zwei Jahren wegen Corona gestoppt werden musste. Die offizielle Einladung des Werner-Jaeger-Gymnasiums, Nettetal, für die Woche vom 17.-23. Oktober liegt bereits vor. Wer daran interessiert ist an Teilen des Programms teilzunehmen, gebe bitte kurz Nachricht. (Mail an: [email protected])
Wir hoffen, im September 2023 ein kleines Team des Zentrums in Deutschland zu einer „Speakertour“ einladen zu können. Gerne könnt ihr/können Sie dann über uns dieses Team anfragen, zu einem Besuch in Schulen, im Unterricht, zu Berichten in Gruppen, in Gemeinden u. ä. – wir freuen uns über ein vielfältiges Echo dieser Arbeit, die wir mit unserem Freundeskreis vom AKÄ e.V. seit über 20 Jahren begleiten.
Auch im Namen der Caritas Alexandria danken wir allen Unterstützer*innen herzlich!
Mit herzlichen Grüßen
Beate Engelke, Vorsitzende
Spendenkonto: Sparkasse Gummersbach, DE93 3845 0000 1000 5634 92
Spenderrundbrief Juli 2021
Liebe Freunde und Förderer, liebe Interessenten!
In diesen Tagen wird unsere diesjährige Spende für die Arbeit des Zentrums
„Kinder in Gefahr“ (Straßenkinder-Zentrum) vor Ort in Alexandria an das Team
der Caritas übergeben.
Mit 2.500 Euro auch dank Ihrer & Eurer Unterstützung kann das diesjährige
Sommercamp für die Kinder stattfinden. Dabei haben die Schülerinnen und
Schüler des Kairokreises am Werner-Jaeger-Gymnasium Nettetal mit kreativen
und regelmäßigen Aktionen die Hälfte erarbeitet!
Für die Kinder ist es ein tolles Erlebnis, in einer Villa in Abou Talat am
Mittelmeer bei Alexandria eine Woche voller besonderer Aktivitäten zu
verbringen und zwischendrin im hauseigenen kleinen Swimmingpool zu toben!
Es wird im August zum ersten Mal zwei Camps geben:
- Ein Camp für die knapp 40 Jungen, die im Zentrum leben
- Ein Camp für 16 Mädchen aus einer kooperierenden Einrichtung unter der
Trägerschaft einer islamischen Stiftung, verantwortet von einem
Mitarbeiterinnen-Team der Caritas.
Wir bedanken uns herzlich auch im Namen der Caritas Alexandria sowie des
gesamten Teams des Zentrums für Ihre Unterstützung!
Mit herzlichen Grüßen
Beate Engelke & Ulrich Maiwald